kinetische Performance: Flow 2

Bei der kinetischen Performance Flow 2 handelt es sich um einen Treppenlift, der sich nicht auf, sondern mit seiner Schiene durch den Raum bewegt.
In seiner ursprünglichen Funktion ist dieser dazu gedacht Senioren durch ein Treppenhaus in ein anderes Stockwerk zu befördern und den meisten Leuten wohl eher aus den Werbeanzeigen im ADAC-Magazin bekannt.
Bei Flow 2 (Modellbezeichnung des Liftes von ThyssenKrupp) steht die Maschine im Mittelpunkt: Der Lift „performt“ auf seiner 1-Treppenhaus-langen Bahn, deren Einzelteile leicht verändert zusammengefügt und nirgendwo befestigt sind. Durch die Versetzung in den freien Raum wird dieser gewissermaßen seiner Funktion beraubt, oder besser ausgedrückt: von seinen Zwängen befreit.
Ohne Verschraubung mäandert der Lift umher, mal auf der Schiene fahrend, mal diese um sich her schiebend und immer wieder mit lautem Krach seine Richtung ändernd. In „freier Wildbahn“ entwickelt die Maschine ein Eigenleben, eine zerstörerische Kraft, schürft Furchen in Boden und Wände, aber scheint ohne wirkliche Funktion dennoch ungelenk und verloren.
Die Maschine wird hier auf ihr Potenzial in ungewohnter Umgebung getestet. Aus hilfreicher Funktion wird ein destruktives Spektakel.
Die Frage ist aber: was empfinden wir dabei, als Zeugen einer hilflosen, an sich selbst scheiternden Maschine?

Bis jetzt wurde Flow 2 nur als Diplomarbeit an der AdBK München im Jahr 2015 gezeigt. Sie wurde mit dem Leisser Art Prize (Martin B. Leisser Art Fund, Pittsburgh) und durch den Kulturpreis Bayern gewissermaßen als beste Arbeit des Diplomjahrgangs ausgezeichnet.
Leider bot sich aufgrund der aufwendigen Installation bis jetzt keine Gelegenheit, die Arbeit einer breiteren Masse zu zeigen. Ich hoffe, dass die blaue Nacht in Nürnberg (und das Thema Risiko) dafür den perfekten Rahmen bietet!






Setup
Größtenteils fährt der Lift natürlich autark, wird aber auch zu einem gewissen Grad von mir per Fernbedienung gesteuert und manchmal manuell neu ausgerichtet. Man könnte sagen: teilweise performe ich mit dem Lift gemeinsam. Für die blaue Nacht möchte ich den Lift auf einer Bühne zeigen, ca 7×7 Meter, etwa 40 cm hoch. Diese wird auf zwei Seiten (über Eck) von einer halbhohen Wand (Höhe etwa 1 Meter) begrenzt, die wichtig ist, damit sich der Lift daran abstoßen kann. Auf zwei Seiten ist diese offen, um den Besuchern einen optimalen Einblick zu geben. (Die Höhe der Bühne hält die Besucher schon ein bisschen davon ab, diese zu betreten, ich möchte aber trotzdem zusätzliche Absperrungen anbringen (was die Sache eh ein bisschen gefährlicher aussehen lässt(…was es aber natürlich nicht ist))).
Die Bühne hat zusätzlich den Vorteil, dass
– die Arbeit besser betrachtet werden kann, wenn viele Besucher gleichzeitig da sind
– der Boden am Veranstaltungsort nicht in Mitleidenschaft gezogen wird
– diese einen Hohlkörper bildet, der die Geräusche verstärkt.

Ablauf
Die Performance läuft im Prinzip die ganze Nacht. Ungefähr alle 2 Stunden müssen die Akkus gewechselt werden, das dauert ca 5 Minuten. Außerdem gibt es nach etwa 5-mal hin- und herfahren eine kurze Pause von etwa einer Minute, um den Motor nicht zu überhitzen.
Am Sinnvollsten ist es wohl 3 Personen (Künstler + 2 Hilfskräfte) da zu haben. Der Künstler und eine Hilfskraft haben jeweils eine Fernbedienung und ziehen die Maschine bei Bedarf in die richtige Richtung/Position. Die zweite Hilfskraft passt auf die Besucher auf, dass keiner durch die Absperrung läuft oder sonstigen Blödsinn veranstaltet.

Ort
Durch die Bühne ist die Arbeit relativ flexibel, was die Platzwahl angeht, aber es sollte dennoch ein Innenraum sein.
Schön wäre ein Raum mit klinisch heller Beleuchtung und gutem Echo, der die Akustik verstärkt!